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Care-Arbeit ist Arbeit

Care-Arbeit ist Arbeit

 

Die unbequeme Wahrheit: Kinderbetreuung wird nicht dadurch weniger Arbeit, dass sie aus Liebe geschieht und kein Gehalt dafür ausbezahlt wird.

Der Satz „Kinderbetreuung ist für mich keine unbezahlte Arbeit, weil Kinderbetreuung würde ich nicht als Arbeit sehen“ hat viele Menschen empört. Nach heftiger Kritik bezeichnete Bundeskanzler Christian Stocker seine Aussage als falsch und entschuldigte sich bei allen, die sich verletzt, beleidigt oder nicht wertgeschätzt fühlten. (https://kurier.at/politik/inland/kinderbetreuung-keine-arbeit-bundeskanzler-christian-stocker-entschuldigung/403180582)

Diese Entschuldigung ist wichtig. Sie nimmt jedoch nicht automatisch die Wirkung der ursprünglichen Aussage zurück. Wer täglich Kinder betreut, Angehörige pflegt, den Haushalt organisiert, Arzttermine koordiniert, emotionale Krisen auffängt und nebenbei einer Erwerbsarbeit nachgeht, kennt den Unterschied zwischen „etwas aus Liebe tun“ und „keine Arbeit leisten“ sehr genau.

Liebe und Arbeit schließen einander nicht aus. Gerade weil Sorgearbeit häufig aus Verbundenheit, Verantwortung und Fürsorge übernommen wird, bleibt sie gesellschaftlich und wirtschaftlich oft unsichtbar.

 

Unsichtbar heißt nicht unbedeutend

Die österreichische Zeitverwendungserhebung 2021/22 zeigt, wie ungleich unbezahlte Arbeit verteilt ist: Frauen unter 65 Jahren wenden durchschnittlich 4 Stunden und 19 Minuten pro Tag für unbezahlte Arbeit auf, Männer 2 Stunden und 29 Minuten. Das entspricht beinahe zwei Stunden Unterschied täglich. (https://www.statistik.at/fileadmin/announcement/2023/12/20231218ZVE20212022.pdf)

Zur unbezahlten Arbeit zählen unter anderem Hausarbeit, Kinderbetreuung, Hilfe für erwachsene Haushaltsmitglieder, Pflege und Freiwilligentätigkeit. Frauen leisten laut Statistik Austria rund 65 Prozent dieser unbezahlten Arbeit, Männer rund 35 Prozent. (https://www.statistik.at/fileadmin/announcement/2024/03/20240305GenderStatistik2024.pdf)

Eine Aussage, die Kinderbetreuung grundsätzlich nicht als Arbeit betrachtet, trifft deshalb nicht alle Menschen gleichermaßen. Sie trifft besonders jene, deren tägliche Sorgearbeit ohnehin als selbstverständlich behandelt wird – und damit überproportional häufig Frauen.

Die wirtschaftlichen Folgen sind messbar. Der Gender Pay Gap in Österreich lag 2024 bei 17,6 Prozent. Frauen verdienten damit im Durchschnitt pro Bruttostunde weniger als Männer. (https://www.statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/gender-statistiken/einkommen)

Auch bei den Pensionen setzt sich diese Ungleichheit fort: Der österreichweite Equal Pension Day fiel 2026 auf den 9. August. Die durchschnittliche Pensionslücke zwischen Frauen und Männern lag bei 39,4 Prozent. (https://www.staedtebund.gv.at/equal-pension-day/)

Diese Unterschiede entstehen nicht allein durch einzelne Entscheidungen. Sie stehen auch mit gesellschaftlichen Erwartungen, Teilzeitarbeit, fehlenden Betreuungsangeboten, beruflichen Unterbrechungen und der ungleichen Verteilung von Kinderbetreuung und Pflege in Verbindung.

 

Mehrfachbelastung ist keine persönliche Schwäche

Viele Menschen jonglieren heute mehrere Verantwortungsbereiche gleichzeitig: Beruf, Selbstständigkeit, Kinder, pflegebedürftige Angehörige, Partnerschaft, Haushalt, finanzielle Verpflichtungen und die Sorge um die eigene Gesundheit.

Besonders belastend ist dabei nicht immer nur eine einzelne Aufgabe. Oft ist es die permanente gedankliche Anwesenheitspflicht:

  • Wer denkt an den nächsten Termin?
  • Wer organisiert die Betreuung?
  • Wer bemerkt, dass es jemandem nicht gut geht?
  • Wer hält alles zusammen, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert?

Studien und Fachberichte zu pflegenden Angehörigen zeigen, dass psychische Belastung, Zeitdruck, Stress, Sorgen und Einschränkungen im eigenen Leben häufige Belastungsfaktoren sind. In einer österreichischen Erhebung bezeichneten 56 Prozent der befragten pflegenden Angehörigen die psychische Belastung als stark oder sehr stark. (https://wien.arbeiterkammer.at/service/veranstaltungen/rueckblicke/Elke_Kunar_31.1.2019.pdf)

Viele Betroffene funktionieren lange Zeit nach außen weiter. Sie erledigen, organisieren, vermitteln, trösten und übernehmen Verantwortung. Erst wenn Schlaf, Konzentration, Gesundheit oder Lebensfreude spürbar nachlassen, wird sichtbar, wie viel Last bereits getragen wurde.

Das Problem ist nicht, dass diese Menschen zu wenig belastbar wären. Das Problem ist häufig, dass sie zu lange zu viel alleine tragen.

 

Was Wertschätzung wirklich bedeutet

Wertschätzung bedeutet nicht nur, „Danke“ zu sagen. Sie bedeutet auch anzuerkennen, dass Kinderbetreuung, Pflege, Haushaltsorganisation und emotionale Begleitung Zeit, Energie, Verantwortung und Kompetenz erfordern.

Wertschätzung bedeutet außerdem, die betroffene Person nicht auf ihre Funktion zu reduzieren. Eine Mutter ist nicht nur Mutter. Ein pflegender Angehöriger ist nicht nur Pflegeperson. Eine Selbstständige ist nicht nur Unternehmerin. Und ein Mensch, der für viele andere da ist, darf selbst Unterstützung brauchen.

Politische Debatten über Familien und Care-Arbeit bleiben unvollständig, wenn sie nur über Ideale, Pflichten und familiäre Werte sprechen. Sie müssen auch über Ressourcen, faire Verteilung, Einkommen, Pensionen, Betreuungsangebote und psychische Gesundheit sprechen.

 

De-Stress your Life

Ich kenne Mehrfachbelastung nicht nur aus Büchern oder aus beruflichen Gesprächen. Ich bin Mutter eines Teenagers, pflegende Angehörige und Selbstständige. Zu meinem Alltag gehören außerdem meine weitere Familie, ein Hund, Pferde und viele organisatorische und berufliche Verantwortungen. Mein bisheriger Weg war abwechslungsreich und hat mir gezeigt, wie unterschiedlich Belastungen aussehen können.

Niemand kennt die eigene Situation so gut wie die Person, die darin lebt. Deshalb ist die Person auch Expert:in für das eigene Problem. Als Lebens- & Sozialberaterin in Ausbildung unter Supervision und Coach bin ich die Expertin für den Weg zur Lösung.

Genau hier setzt De-Stress your Life an: bei Menschen, die viel leisten, viel Verantwortung übernehmen und dabei wieder mehr Klarheit, Ruhe und Handlungsspielraum gewinnen möchten.

Dabei geht es nicht darum, noch besser zu funktionieren. Es geht darum,

  • die eigene Belastung frühzeitig wahrzunehmen,
  • persönliche Stressverstärker zu erkennen,
  • Grenzen klarer zu setzen,
  • Prioritäten neu zu ordnen,
  • vorhandene Ressourcen zugänglich zu machen,
  • Unterstützung anzunehmen,
  • ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen,
  • und einen Weg zu entwickeln, der zur eigenen Lebenssituation passt.

Stressmanagement bedeutet nicht, alle äußeren Probleme einfach wegzuatmen. Es bedeutet, die eigene Situation ehrlich anzuschauen und Schritt für Schritt wieder Einfluss auf das zu gewinnen, was beeinflussbar ist.

 

Du musst nicht erst zusammenbrechen

Wer Kinder betreut, Angehörige pflegt, selbstständig arbeitet oder mehrere Lebensbereiche miteinander vereinbaren muss, leistet Arbeit. Auch dann, wenn diese Arbeit aus Liebe geschieht und keine Rechnung dafür gestellt wird.

Du musst nicht erst völlig erschöpft sein, um Unterstützung in Anspruch nehmen zu dürfen. Du musst deine Belastung auch nicht mit der anderer Menschen vergleichen. Jede Lebenssituation ist anders, und Unterstützung beginnt dort, wo du sie brauchst.

Vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt, nicht nur zu fragen:

„Wie schaffe ich das alles noch?“

Sondern auch:

„Was brauche ich, damit es mir dabei nicht selbst verloren geht?“

De-Stress your Life ist Coaching für Menschen mit vielen Verantwortungen, mit Wertschätzung für das, was sie leisten, und mit Raum für die Person hinter all diesen Aufgaben.

 

 

Quellen und weiterführende Informationen

- Statistik Austria: Zeitverwendungserhebung 2021/22: Daten zu bezahlter und unbezahlter Arbeit. https://www.statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/zeitverwendung

- Statistik Austria: Frauen verbringen mehr Zeit mit Arbeit als Männer: zentrale Ergebnisse der Zeitverwendungserhebung. https://www.statistik.at/fileadmin/announcement/2023/12/20231218ZVE20212022.pdf

- Statistik Austria: Gender Pay Gap in Österreich]: aktuelle Daten zum geschlechtsspezifischen Lohnunterschied. https://www.statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/gender-statistiken/einkommen

- Österreichischer Städtebund: Equal Pension Day: Informationen zur Pensionslücke. https://www.staedtebund.gv.at/equal-pension-day/

- Arbeiterkammer Wien: Frauenpolitik und Care-Arbeit: Zahlen zu Care-Gap, Gender Pay Gap und Pensionslücke. https://wien.arbeiterkammer.at/interessenvertretung/eu/europa/eu-semester/Factsheet_Frauenpolitik_DE_2026.pdf

- Kurier: Kinderbetreuung „keine Arbeit“ – Stocker entschuldigt sich: Einordnung der politischen Debatte und der nachfolgenden Entschuldigung. https://kurier.at/politik/inland/kinderbetreuung-keine-unbezahlte-arbeit-bundeskanzler-christian-stocker-entschuldigung/403180582